CORNER
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FRAUEN U17
INTERVIEW
IRIS STÖCKELMAYR
Besser als Messi
Nicole Billa ist eine der ganz großen Nachwuchshoffnungen im
österreichischen Frauenfußball. Die Stürmerin gilt als die personi-
fizierteTorgarantie. Quasi nebenbei ist die 17-Jährige auch noch
dreifacheWelt- und Europameisterin im Kickboxen.
D
iese Zahl treibt selbst den Top-Stür-
mern der europäischen Ligen den
Schweiß ins Gesicht: Nicole Billa
hält in 20 Länderspielen für das
U17-Frauen-Nationalteam bei sage
und schreibe 31 Treffern. Mit dieser Quote
von 1,55 Toren pro Spiel lässt Billa sogar
Lionel Messi hinter sich, der in der „Golde-
ner Schuh“-Wertung der FIFA mit einem
Schnitt von „nur“ 1,46 Treffern in Führung
liegt. Mit dem ÖFB Corner spricht die Tiro-
lerin über Doppelbelastung, Ehrgeiz und
menschliche Entwicklung.
ÖFB Corner:
Nicole, du lässt mit deiner
Torausbeute im U17-Nationalteam sogar
einen Lionel Messi hinter dir.Wie hört sich
das an?
NICOLE BILLA: Darüber habe ich mir
noch nie Gedanken gemacht. Klingt aber
schon ganz gut, oder? (lacht)
Wie bist du eigentlich zum Fußball ge-
kommen?
Mein Papa istTrainer daheim inTirol und
mein Bruder spielt auch Fußball. Ich war also
schon von klein auf dauernd auf dem Platz.
Mit fünf Jahren habe ich dann selbst zu spie-
len begonnen.
Ist deinTalent gleich aufgefallen?
Ich war mit 6 oder 7 Jahren die beste
Spielerin bei einemTurnier.
Bei einem Burschen-Turnier?
Ja, ich war damals ziemlich groß imVer-
gleich zu den anderen (lacht). Bis zur U15
habe ich bei den Burschen gespielt, dann bin
ich in die Frauenmannschaft gewechselt.
Neben Fußball betreibst du auch noch
Kickboxen aufWeltklasseniveau.
Meine Mama hat mich auf diesen Sport
gebracht. Ich war als Kind total schüchtern
und zurückhaltend, habe nie Gegenwehr
geleistet und mir einfach alles gefallen las-
sen. Kickboxen hat mir sehr dabei geholfen,
mich menschlich weiterzuentwickeln.
Wie kann man sich deinenTrainingsalltag
mit zwei Sportarten vorstellen?
Seitdem ich im Nationalen Zentrum für
Frauenfußball in St. Pölten bin, liegt mein
Fokus klar auf Fußball, Kickboxen mache ich
nur mehr zum Ausgleich …
… bist aber trotzdem bei Weltmeister-
schaften konkurrenzfähig.
Ja, 2012 habe ich meinen dritten WM-
Titel geholt. Seit Herbst habe ich ungefähr
dreimal ernsthaft trainiert und vor Kurzem
trotzdem ein internationales Turnier in Inns-
bruck gewonnen. Pro Jahr trete ich bei zwei
bis drei Turnieren an, um bei der WM start-
berechtigt zu sein.
Bringt dir das Kickboxen auch Vorteile
beim Fußballspielen?
Auf jeden Fall. Man nimmt den Biss mit
in die Zweikämpfe und ist kaltschnäuziger
vor dem Tor. Beim Kickboxen geht es auch
viel um Übersicht, das hilft mir auch auf dem
Platz sehr, wie auch meine Schnelligkeit.
Ist einWechsel ins Ausland einThema für
dich?
Ich habe nach diesem Semester noch
zwei Jahre Schule in St. Pölten. Die mache
ich sicher fertig. Ohne eine abgeschlossene
Schulbildung habe ich doch nichts. Man
weiß ja nie, was kommt.
Bist du in der Schule ebenso ehrgeizig
wie auf dem Platz?
Ja, wenn ich eine schlechtere Note
habe, will ich sie mir immer gleich ausbes-
sern, sonst bin ich einfach nicht zufrieden.
Gute Noten und Schule überhaupt sind mir
sehr wichtig. Deshalb ist das Nationale Zen-
trum für mich auch ideal. Hier kann ich mei-
nen Sport ausüben und habe gleichzeitig
auch eine Ausbildung.
Unter derWoche Schule undTraining, am
Wochenende Match mit deinem Verein
Wacker Innsbruck. Bleibt dir da auch noch
Freizeit?
Nicht sehr viel und die verbringe ich am
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liebsten mit meiner Familie und meinen
Freunden. Zu den Heimspielen alle zweiWo-
chen fahre ich immer heim nachTirol, zu den
Auswärtsspielen reise ich meistens direkt
aus dem Internat an.
Was wäre denn deinTraumverein – nach
dem Schulabschluss?
Ich habe keinen bestimmten. Ich versu-
che meine beste Leistung zu bringen und
schaue, was kommt. Aber jede Fußballerin
träumt glaube ich davon, einmal in Deutsch-
land oder Schweden zu spielen. MeinVorbild
ist Abby Wambach. Sie ist eine Kämpferin
und gibt nie auf.
Wie würdest du deine Rolle im„ehemali-
gen“ U17-Frauen-Nationalteam beschrei-
ben, das ja nur ganz knapp um einTor die
EM-Endrunde verpasst hat?
Ich denke schon, dass ich dort eine
Führungsrolle innehatte. Ich rede ja auch
immer recht viel (lacht). Jetzt geht es im
U19-Team für mich weiter. Schauen wir ein-
mal, was kommt, die Quali für die EM wäre
natürlich super. MeinTraum ist es, in ein paar
Jahren im Nationalteam zu spielen.
Welchen Einfluss hat Dominik Thalham-
mer auf deine Entwicklung, er war ja dein
Chef im Nationalteam und ist der sport-
liche Leiter des Nationalen Zentrums?
Einen großen, er ist ein super Trainer,
erklärt einem alles so, dass man es auch ver-
steht, sehr praxisnah und nicht statisch. Und
man wird zum Beispiel nach einem Fehler
wieder aufgebaut und nicht gleich bestraft.
Das ist sehr wichtig für mich.
Was ist für dich das Besondere am Frau-
enfußball?
Ich finde, dass sich die Frauen taktisch
oft besser verhalten. Die Stimmung im Sta-
dion ist auch immer sehr positiv, es gibt
keine Beschimpfungen. Man kann auch mit
Kindern ins Stadion gehen. Ich hoffe, dass
das auch bald Sponsoren merken und sich
mehr im Frauenfußball engagieren.
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Jede Fußballerin
träumt davon, einmal
in Deutschland oder
Schweden zu spielen.
Mein Vorbild ist Abby
Wambach. Sie ist eine
Kämpferin und gibt
nie auf.
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Nicole Billa (links im schwarzen
Outfit) holte 2012 ihren dritten
WM-Titel im Kickboxen.
G. MÖHSNER
PRIVAT
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